Die Akte Urwyler
Urwyler spricht mit Gewerkschaftern, Kollegen und Kolleginnen, setzt sich bei der Klinikleitung für besseren Mutterschutz ein. Doch sie wird nicht gehört. Nachdem sie eine innerbetriebliche Beschwerde wegen Diskriminierung gestellt hat, wird sie, inzwischen Mutter, vom Inselspital gekündigt. Eine nach dem Gleichstellungsgesetz verbotene «Rachekündigung», wie später das Berner Obergericht feststellen wird.
Urwyler bekommt für ihr Engagement gegen Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz den «Prix Courage» verliehen, aber nur mit Mühe einen Job: nicht mehr als Ober-, sondern als Assistenzärztin in fremdem Fach in einem kleinen Spital, wo sie als junge Absolventin Jahre zuvor ihre vielversprechende Laufbahn begonnen hatte.
Urwyler kämpft sich zurück in die Anästhesie und ist heute wieder Kaderärztin. Und sie kämpft weiter. Die Ärztin fordert vom Inselspital das Salär, das ihr entgangen sein soll: fünf Millionen Franken.
Würde sie gewinnen, wäre sie die erste Frau, die in der Schweiz ein Männer-Gehalt erstritten hat. Jetzt, Ende August 2021, könnte es vor dem Regionalgericht Bern Mittelland zu einer Entscheidung kommen. In dem Podcast «Die Akte Urwyler – Was kostet das Frau-Sein?» dokumentieren wir Urwylers Geschichte und die heutige Situation von Geschlechtergleichstellung in der Schweiz.