Die Akte Urwyler

Natalie Urwyler
Sie ist auf dem Weg, eine der jüngsten Chefärzt*innen der Schweiz zu werden. Doch eine «Rachekündigung» beendet abrupt den steilen Karriereweg von Natalie Urwyler. Der Podcast «Die Akte Urwyler» erzählt die Geschichte der Top-Anästhesistin, die nun aufs Ganze geht und von ihrem ehemaligen Arbeitgeber das Salär vor Gericht einfordert, das ihr ihrer Meinung nach entgangen ist: fünf Millionen Franken.
Sie ist eine der besten Anästhesist*innen der Schweiz. Mit einem nationalen Stipendium wird sie an die renommierte US-Uni Stanford geschickt. Sie wird habilitiert. Kurz: Natalie Urwyler ist auf dem Weg, eine der jüngsten Chefärzt*innen der Schweiz zu werden. Doch dann erleidet die Walliserin während einer Nachtschicht im Berner Inselspital eine Fehlgeburt und muss drei Nächte weiterarbeiten.

Urwyler spricht mit Gewerkschaftern, Kollegen und Kolleginnen, setzt sich bei der Klinikleitung für besseren Mutterschutz ein. Doch sie wird nicht gehört. Nachdem sie eine innerbetriebliche Beschwerde wegen Diskriminierung gestellt hat, wird sie, inzwischen Mutter, vom Inselspital gekündigt. Eine nach dem Gleichstellungsgesetz verbotene «Rachekündigung», wie später das Berner Obergericht feststellen wird.

Urwyler bekommt für ihr Engagement gegen Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz den «Prix Courage» verliehen, aber nur mit Mühe einen Job: nicht mehr als Ober-, sondern als Assistenzärztin in fremdem Fach in einem kleinen Spital, wo sie als junge Absolventin Jahre zuvor ihre vielversprechende Laufbahn begonnen hatte.

Urwyler kämpft sich zurück in die Anästhesie und ist heute wieder Kaderärztin. Und sie kämpft weiter. Die Ärztin fordert vom Inselspital das Salär, das ihr entgangen sein soll: fünf Millionen Franken.

Würde sie gewinnen, wäre sie die erste Frau, die in der Schweiz ein Männer-Gehalt erstritten hat. Jetzt, Ende August 2021, könnte es vor dem Regionalgericht Bern Mittelland zu einer Entscheidung kommen. In dem Podcast «Die Akte Urwyler – Was kostet das Frau-Sein?» dokumentieren wir Urwylers Geschichte und die heutige Situation von Geschlechtergleichstellung in der Schweiz.

Der Podcast wird von Charlotte Theile, Franziska Engelhardt, Monika Rufener und Claudio Bucher produziert. Sie arbeiten im Kollektiv «Elephant Stories», einer interdisziplinären Storytelling-Agentur.
Haben Sie auch Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren und möchten darüber sprechen? Haben Sie eine Geschichte, die Gehör finden sollte? Dann melden Sie sich doch bei den Podcast-Produzent*innen unter der Nummer 076 266 8878.
Redaktion und Regie:
Charlotte Theile, Franziska Engelhardt und Monika Rufener
Produktion:
Franziska Engelhardt
Musikkomposition, Sounddesign und Mix:
Christian Riesen und Martin Bezzola
Cello:
Solme Hong
Produktionsleitung beim Blick:
Jennifer Rieger, Vinzenz Greiner
Mitarbeit:
Claudio Bucher

Finanziell unterstützt wurde der Podcast von Ellen Ringier, der Blick-Gruppe, Helma Sick, Sunrise UPC, der FONDATION SUISA, Alliance F und der Stiftung Mercator Schweiz, der Stiftung für Frauenarbeit und investigativ.ch.
Eine Produktion von Elephant Stories 2021